12.3 Richtig herunterfahren


Es ist sehr wichtig das Sie Ihr System richtig heruntefahren. Einfaches Ausschalten des Stroms über den Netzschalter kann erhebliche Beschädigungen im Dateisystem hervorrufen. Während das System läuft sind Dateien in Gebrauch auch wenn Sie nichts tun. Erinnern Sie sich daran das viele Prozesse immer im Hintergrund laufen. Diese Prozesse verwalten das System und halten eine Menge Dateien offen. Wenn der Strom des Systems abgestellt wird können diese Dateien nicht sauber geschlossen und dadurch zerstört werden. Abhängig davon was für Dateien zerstört werden kann das System dadurch komplett unbrauchbar werden! In allen Fällen müssen Sie beim nächsten Booten durch einen langen Dateisystemtest gehen

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Wenn Sie ihr System mit einem journalling filesystem wie ext3 oder reiserfs erstellt haben sind sie teilweise vor Schäden am Dateisystem geschützt und Ihr Dateisystem-Check beim Reboot wird kürzer ausfallen als wenn Sie ein Dateisystem ohne journalling, wie ext2, verwendet hätten. Dennoch ist diese Sicherheit keine Entschuldigung für falsches Herunterfahren ihres Systems! Ein journalling FS ist dafür gedacht ihre Dateien von Ereignissen zu bewahren über die Sie keine Kontrolle haben und nicht von Ihrer eigenen Faulheit.

In jedem Fall in dem Sie Ihren Computer neu starten oder ausschalten wollen ist es wichtig dies richtig zu tun. Es gibt mehrere Wege dies zu tun; Sie können den auswählen der Ihnen am besten gefällt (oder der am wenigsten Arbeit macht). Da Herunterfahren und Neustarten ähnliche Dinge sind können die meisten Wege zum Herunterfahren des Systems auch zum Neustarten genutzt werden.

Der erste Weg ist das shutdown(8) Programm, und sie ist wahrscheinlich die bekannteste. shutdown kann genutzt werden um das System zu einer bestimmten Zeit neuzustarten oder auszuschalten und kann allen angemeldeten Benutzern eine Meldung zukommen lassen die ihnen mitteilt das das System heruntergefahren wird.

Der grundlegendste Anwendungfall für shutdown, um den Computer herunterzufahren, ist:

# shutdown -h now


In diesem Fall senden wir keine angepasste Meldung an die Benutzer. Sie werden die Standard Nachricht von shutdown sehen. "now" ist die Zeit zu der wir herunterfahren wollen und das "-h" steht für das Herunterfahren des Sytems. Dies ist kein sehr freundlicher Weg beim Verwalten eines Mehrbenutzersystems, aber es funktioniert gut auf Ihrem Heimcomputer. Eine bessere Methode auf einem Mehrbenutzersystem wäre jedem eine kurze Vorwarnung zu geben:

# shutdown -h +60


Dies würde das System in einer Stunde (60 Minuten) herunterfahren was für ein normales Mehrbenutzersystem in Ordnung wäre. Für kritische Systeme sollte die Ausfallzeit weit im Voraus geplant werden und Sie sollten die Warnungen über die Ausfallzeit über alle für Systemmitteilungen geeigneten Informationswege veröffentlichen (E-Mail, schwarzes Brett, /etc/motd, was auch immer).

Für das Neustarten des Systems verwenden Sie den gleichen Befehl aber ersetzen "-h" mit "-r":

# shutdown -r now


Sie können bei shutdown -r die gleiche Schreibweise für die Zeitangabe nutzen, die Sie auch für shutdown -h nutzen. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, um mit shutdown zu beeinflussen, wann eine Maschine heruntergefahren oder neugstartet werden soll. Sehen Sie für weitere Details in die man-Page.

Der zweite Weg um herunterzufahren oder den Rechner auszuschalten ist der Gebrauch der Befehle halt(8) und reboot(8). Wie der Name schon andeutet wird halt umgehend das Betriebssystem anhalten und reboot wird das System neustarten. (reboot ist in Wirklichkeit nur ein symbolischer Link auf halt). Sie werden wie Folgt aufgerufen:

# halt
# reboot


Ein Weg zum neustarten und herunterfahren auf niedrigerer Ebene ist das direkte Sprechen mit init. Alle anderen Methoden sind einfach bequemere Möglichkeiten um mit init zu sprechen aber Sie können ihm direkt sagen was zu tun ist wenn Sie telinit(8) nutzen (beachten Sie das es nur ein "l" hat). Mit telinit können Sie init mitteilen in welchen Runlevel es wechseln soll was dafür sorgt das ein spezielles Skript aufgerufen wird. Dieses Skript wird Prozesse so abbrechen oder starten wie es für den entsprechenden runlevel gebraucht wird. Dies funktioniert für Neustarten und Herunterfahren, denn beide sind spezielle Runlevels.

# telinit 0


Runlevel 0 ist der Haltemodus. Wenn Sie init sagen das es in Runlevel 0 wechseln soll sorgt dafür das alle Prozesse abgebrochen, die Dateisysteme ungemountet und die Maschine angehalten wird. Dies ist ein akzeptabler Weg das System herunterzufahren. Auf vielen laptops und modernen Desktoprechnern wird dies auch dafür sorgen das die Maschine ausgeschaltet wird.

# telinit 6


Runlevel 6 ist der Neutart-Modus. Alle Prozesse werden abgebrochen, das Dateisystem ungemountet und die Maschine wird neu gebootet. Dies ist ein akzeptabler Weg um das System neu zu booten.

Für die Neugierigen: Wenn Sie zu Runlevel 0 oder 6 wechseln, je nachdem ob Sie shutdown, halt oder reboot nutzen, wird das Skript /etc/rc.d/rc.6 ausgeführt. (Das Skript /etc/rc.d/rc.0 ist noch ein symbolischer Link der auf /etc/rc.d/rc.6 zeigt). Sie können diese Datei nach Ihrem Geschmack anpassen--aber stellen Sie sicher das Ihre Änderungen gründlich geprüft werden!

Es gibt eine letzte Methode um das System neuzustarten. All die anderen Methoden erforden, dass Sie als root eingeloggt sind. Allerdings ist es auch möglich die Maschine neuzustarten ohne root zu sein, vorausgesetzt Sie haben physikalischen Zugriff auf eine Tastatur. Die Tastenkombination Strg+Alt+Entf (der "Affengriff") sorgt dafür das die Maschine umgehend neugestartet wird. (Im Hintergrund wird der shutdown-Befehl ausgeführt, wenn Sie Strg+Alt+Entf benutzen). Der Affengriff funktioniert nicht immer wenn Sie sich in einem X Fenster befinden--es könnte sein, dass Sie erst Strg+Alt+F1 (oder eine andere Funktionstaste) nutzen müssen, um auf ein nicht-X Terminal zu wechseln, bevor Sie ihn nutzen können.

Die Datei die letztendlich jeden Aspekt des Hoch- und Herunterfahrens kontrolliert ist die Datei /etc/inittab(5). Im Allgemeinen sollten Sie diese Datei nicht bearbeiten müssen, aber Sie kann Ihnen mehr Einblick darüber geben warum mache dinge so funktionieren wie sie funktionieren. Wie immer sollten Sie für weiteren Details in die man Pages schauen.
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