Individuell aber schnell.


Slackware Linux als Desktopsystem Von [http://www.janietz.de Marcus Janietz]

Jenseits der kommerziellen, "grossen" Linux Distributionen und diesseits der konservativen Debian-Derivate findet sich mit Slackware-Linux ein System das es sich zum Ziel gesetzt hat die Brücke zwischen brandneuer OpenSource Software und traditionellem BSD-Unix zu schlagen. Vor allem macht Slackware Linux aber eines: Richtig viel Spass!

Während in Europa SuSE den Desktop erobert, hält RedHat mit Fedora in Übersee die Marktführerschaft fest in Händen. Debian, als absolut offene Plattform, stellt den natürlichen Gegenpol dar und ist den meisten Anwendern vor allem in Form des LiveLinux Knoppix ein Begriff. Natürlich buhlen noch zahlreiche weitere Distributionen um die Gunst der User, darunter Mandrake, Xandros, oder Lindows. Die meisten Distributionen lassen sich aber auf eine der drei grossen Distributionen zurückführen. Slackware ist anders. Slackware ist älter. Genaugenommen zählt Slackware-Linux sogar zu den ersten Distributionen überhaupt. Als im April 1993 Patrick Volkerding die erste Version seiner Linuxkompilation veröffentlichte konnte kaum einer den Siegeszug voraussehen den das freie Betriebssystem in den nächsten zehn Jahren antreten würde. Im Wesentlichen ist sich Slackware seit dieser Zeit treu geblieben. Wie damals wird das Betriebssystem fast ausschließlich von Patrick Volkerding als "One-Man Show" entwickelt und auch die meisten Tools haben sich nur wenig verändert. Dieses hohe Mass an Konsistenz garantiert dem Anwender dass er sich auch über Versionsgrenzen hinaus schnell zurecht findet. Wer nun aber denkt Slackware wäre ein Anachronismus könnte kaum falscher liegen.

Slackware 10 - Die etwas andere Einsteigerdistribution

Hand aufs Herz: Linux übt eine unglaubliche Anziehungskraft auf alle PC-User aus die wieder die Kontrolle über Ihren PC haben wollen. Bis ins letzte Detail. Die meisten kommerziellen Distributionen haben Ihre Systeme mittlerweile um proprietäre Tools und Assistenten, wie zum Beispiel SuSEs?-Yast2, erweitert um dem Umsteiger den Sprung in die Linuxwelt möglichst einfach zu gestalten. Für die meisten Anwender mag dies der richtige Ansatz sein. Allerdings bleibt dem Einsteiger häufig verborgen was tatsächlich unter der bunten KDE-Oberfläche passiert und welche Systemdateien verändert wurden. Wer Linux dafür benutzt um seine Arbeit zu erledigen wird mit dieser abstrakten Bedienerführung kaum Probleme haben. Wer aber nebenher auch etwas über Unixsysteme lernen will oder seine ganz persönliche Arbeitsumgebung kreiiren möchte dem sind diese Assistenten eher im Weg. Ein Skript das ein Skript aufruft um dann eine Konfigurationsdatei zu schreiben kann Einsteiger sowie Profi gleichermassen verwirren. Slackware geht hier einen anderen Weg: Zielsetzung ist eine möglichst übersichtliche und unixnahe Architektur beizubehalten während gleichermassen aktuellste OpenSouce-Software zum Einsatz kommt. Damit eignet sich Slackware hervorragend dazu mit den Eigenheiten eines Linuxsystem "warm" zu werden. Darüberhinaus bietet Slackware beeindruckende Skalierungseigenschaften. Egal ob Serverinstallation oder als Westentaschen-Linux auf einem betagten Laptop: Slackware macht fast überall eine gute Figur. Noch etwas: Patrick Volkerding hat in der Vergangenheit ein sehr glückliches "Händchen" bewiesen wenn es um den richtigen Update-Zeitpunkt geht. Slackware ist immer auf der Höhe der Zeit, aber nie unausgegoren.

Auf die Platte, fertig, los...

Slackware gibt es im Internet unter http://www.slackware.com gratis zum Download. Wer das System regelmässig einsetzt kann unter http://store.slackware.com auch eine CD-Version sowie diverse Literatur und Fanartikel bestellen und so die Weiterentwicklung unterstützen. Der Preis für die aktuelle Version liegt mit 39,95$ deutlich unter dem Preis anderer Distributionen. Ein sehr schneller, europäischer FTP-Mirror findet sich unter ftp://ftp.slackware.at. Die aktuellste Version der ISO-Images findet sich immer in einem Ordner namens slackware-versionsnummer-iso, also zum Beispiel slackware-10-iso. Zur Installation sind nur die beiden install-Images notwendig, die anderen CD-Images enthalten den Quellcode. Slackware erscheint seit Version 9.1 erstmals auf zwei CD-Roms, hier hat Patrick Volkerding mit der bisher goldenen "Ein-CD"-Regel gebrochen. Die zweite CD bietet aber neben der kompletten KDE und Gnome-Umgebung auch eine Linux-Live CD zu Rettungszwecken. Wer auf beides verzichten kann ist mit der ersten Install-CD ausreichend bedient. Das Slackware-Linux auf fast jedem PC-System zuhause ist zeigen die fast archaisch anmutenden Systemvoraussetzungen:

CPU: Intel oder kompatible ab 486
RAM: 16MB notwendig, 64MB empfohlen für X Window System
Festplattenplatz: 500MB Minimum, 1GB+ empfohlen

BILD Slackware Linux Homepage
Lesefutter: Auf Slackwares Webseite findet sich das Slackbook als HTML-Referenz. Wer mehr über das System lernen möchte sollte einen Blick in das Buch werfen oder eine Printausgabe kaufen.

Mit diesen Werten sollte wirklich fast jeder in der Lage sein Slackware-Linux zu installieren, es eignet sich dadurch auch ideal als Zweitbetriebssystem für den ausgemusterten Altrechner. Wer tatsächlich noch weniger Performance zur Verfügung hat kann immernoch einen Blick auf die älteren Versionen werfen. Die ISO-Images lassen sich nach dem Download mit einem Brennprogramm, zum Beispiel Aheads Nero Burning Rom, ganz einfach auf CD brennen. Um die Installation zu starten reicht es aus im BIOS Ihres PCs das CD-Rom Laufwerk als Bootlaufwerk festzulegen. Nach einem Neustart wird das Slackware-Setup von der CD geladen. Der erste Prompt kann in der Regel mit Eingabe von "Enter" bestätigt werden. Hier können dem Kernel zusätzliche Parameter übergeben werden wie zum Beispiel das Laden eines SCSI-Kernels oder das Starten einer bereits installierten Version des Betriebssystems. Anschließend bootet das Slackware-Setup den Linuxkernel. Nach dem Bootvorgang werden Sie zur Auswahl eines Keyboard Layouts aufgefordert. Wenn Sie "Enter" drücken benutzen Sie das amerikanische Standardlayout. Durch Eingabe von "1" startet ein Menü in dem Sie eine andere Keyboard-Map wählen können. Die deutsche Tastatur finden Sie hier unter qwertz/de-latin1-nodeadkeys.map. Wenn die gewünschte Tastaturbelegung gewählt wurde, bestätigen Sie dies in dem nächsten Fenster durch Eingabe der Ziffer 1 und Drücken der Entertaste. Nun fordert Sie ein Loginprompt zur Anmeldung als "root" am System auf. Die Eingabe eines Passwortes ist hier nicht erforderlich. Sie befinden sich nun auf einer Linuxkonsole. Anders als die meisten modernen Distributionen verfügt das Slackware Setup über keinen grafischen Installationsassistenten. Dies ist aber kein Grund zur Panik. Das Slackware Setup ist auch für den Einsteiger zu bewältigen. Einziges Manko: Leider steht dem Anwender keine deutsche Lokalisierung des Setups zur Verfügung. Grundsätzlich sieht es mit der deutschen Lokalisierung unter Slackware-Linux eher schlecht aus. Wie man dennoch einen deutschen Desktop einrichtet wird bei der Konfiguration des Gnome Desktops beschrieben.

Das grösste Stück des Kuchens: Festplatte partitionieren

Bevor man mit der Installation des Systems loslegen kann muss allerdings die Festplatte partitioniert werden. Dazu steht dem Anwender das Partitionierungswerkzeug cfdisk zur Verfügung das sich durch Eingabe von "cfdisk" auf der Konsole einfach aufrufen lässt. Wer schon einmal mit fdisk unter MS-Dos gearbeitet hat wird sich hier sofort zurecht finden. In der Tabelle erscheinen die installierten Festplattenpartitionen mit ihren Unixnamen und Grössenangaben sowie dem verwendeten Dateisystem. Ausserdem werden eventuell frei verfügbare Bereiche angezeigt. Sollten Sie Windowspartitionen auf Ihrem System benutzen werden diese hier auch angezeigt. Nun ist es erforderlich eine Zielpartition für Slackware anzulegen und diese auf ein Linuxdateissystem vorzubereiten. Am einfachsten erledigen Sie dies indem Sie diese Partition auswählen und anschließend mit den Cursortasten den Befehl "Type" auswählen. Hier haben Sie nun die Möglichkeit das gewünschte Dateisystem auszuwählen. Wenn Sie unsicher sind entscheiden Sie sich für Nummer 83 aus der angezeigten Liste. Dies ist das ext3 Dateisystem, ein sehr leisungsfähiges Journaling-Dateisystem für Linux. Wenn Sie das System von der gewählten Festplattenpartition aus starten wollen sollten Sie nicht vergessen die "Bootable" Flag auf dem Laufwerk zu setzen. Slackware benötigt für eine Vollinstallation ungefähr 2 Gbyte Speicher, hierbei sind natürlich auch alle Anwendungen die man im Alltag benötigt dabei. Neben der Root-Partition auf der Ihr Slackware-Linux System zuhause sein wird können Sie auch noch eine Swap-Partition erstellen. Dieser Bereich wird dann zum Auslagern auf Festplatte genutzt falls das installierte Ram nicht ausreicht, ganz ähnlich dem virtuellen Speicher unter Windows. Wieviel Speicher Sie als Swapspeicher festlegen möchten bleibt Ihnen überlassen, eine Faustregel besagt das Doppelte des installierten Rams, aber nie mehr als 512MB. Als Dateisystem wählen Sie für die Swap-Partition unter "Type" Nummer 82. Werfen Sie zum Abschluß auf jeden Fall nocheinmal einen scharfen Blick auf Ihre Partitionstabelle. Das Partitionieren der Festplatte kann zu Datenverlust führen! Wenn Sie ganz sicher sind das alles wie gewünscht eingestellt ist können Sie die Partitionstabelle schreiben. Dazu wählen Sie mit den Cursortasten den Befehl "Write" aus und bestätigen Sie diesen durch Eingabe von "yes". Verlassen Sie schließlich cfdisk durch Auswahl des Menüpunktes "Quit". Sie befinden sich nun wieder auf der Linux-Root Konsole. Um nun das Slackware-Setup aufzurufen geben Sie einfach "setup" ein und bestätigen Sie mit "Enter". Nach wenigen Sekunden sollte der textbasierte Installationswizard starten.

Textlastig: Slackwares Setupassistent

BILD Installer (auf Help)

Der Installationsassistent präsentiert sich nach dem Aufruf farbenfroh als textbasiertes Menü. Die einzelnen Schritte werden von oben nach unten durchgegangen und führen Sie so durch alle notwendigen Systemeinstellungen. Der erste Menüpunkt liefert grundlegende Informationen zur Navigation durch das Menü. Die Steuerung in den Menüs erfolgt hierbei über die Cursortasten. Durch Klick auf "Cancel" gelangen Sie während des gesamten Installationsvorgangs zurück in das Startmenü. Hinter dem Punkt "Keymap" verbirgt sich das vom Login bekannte Tool zur Auswahl der Tastaturbelegung. Die hier eingestellte Belegung wird nach der Installation standardmässig von Slackware verwendet. Sollten Sie nicht die amerikanische Keymap nutzen wollen müssen Sie hier nocheinmal das deutsche Layout auswählen. Der nächste Schritt ist die Aktivierung des Swapspeichers. Hierzu rufen Sie den Menüpunkt "Addswap" auf. Slackware sollte Ihre Swappartition automatisch erkennen wenn Sie diese mit cfdisk erstellt haben. Anschließend wird der Swapbereich formatiert. Zuletzt aktiviert Slackware die Swappartition.

Als nächstes zeigt der Assistent eine Tabelle der Linuxpartitionen Ihres Systems. Wählen Sie hier die gewünschte Partition aus. Es empfiehlt sich für Slackware mindestens eine 2GByte Root-Partition zu verwenden, je nach Umfang Ihrer Daten darf es natürlich auch entsprechend mehr sein. Sie können nun die Zielpartition formatieren. Ausserdem haben Sie die Möglichkeit eine langsame Formatierung auszuwählen die das Laufwerk auf defekte Blöcke hin untersucht.

Bild Installer (Partitionsauswahl)

Bevor der Formatierungsvorgang beginnt muss nun noch das gewünschte Dateisystem gewählt werden. Falls Sie unsicher sind sollten Sie sich hier für das ext3 Dateisystem entscheiden. Ausserdem können sie im nächsten Fenster die Blockgrösse festlegen, in aller Regel genügt es hier den Defaultwert von 4096byte zu verwenden. Der Formatierungsprozess dauert je nach Festplattendimension einige Minuten. Hierbei gehen ALLE Daten auf der gewählten Partition verloren. Zuletzt wird die soeben erstellte Root-Partition der fstab hinzugefügt, einer Datei in der die von Linux verwendeten Laufwerke verwaltet werden. Falls Sie noch Windows-Partitionen installiert haben werden Sie für jede Partition aufgefordert einen sogenannten "Mountpoint" anzugeben. Dabei handelt es sich um das Verzeichnis in Ihrem Linuxsystem in dem sich die Daten der Windowspartition befinden. Denkbar sind hier zum Beispiel Mountpoints wie /Win1 oder /mnt/windows. Der Setupassistent versucht anschließend das Installationsmedium zu erkennen. Meistens installiert man ein Slackwaresystem von einer CD oder DVD. Es ist aber auch möglich von einer Festplatte, einer NFS-Freigabe oder einem anderen eingebundenen Verzeichniss zu installieren. Somit ist es möglich Slackware auch auf Systemen zu installieren die über kein CD-Rom Laufwerk verfügen oder aus anderen Gründen nicht auf ein CD-Laufwerk zugreifen können. In aller Regel genügt es aber Slackware die Erkennung des Laufwerks selbstständig durchführen zu lassen, dies geschieht durch Auswahl von "auto" im nächsten Menüpunkt.

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